Account gehackt: Was tun? Die Schritte in der richtigen Reihenfolge
Vom Remove Me-Team · Veröffentlicht am 6. November 2026 · 7 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Bewahren Sie Ruhe und sichern Sie zuerst das E-Mail-Konto mit einem neuen Passwort. Beenden Sie alle aktiven Sitzungen, prüfen Sie Weiterleitungen und Rückfalloptionen und ändern Sie die Passwörter verknüpfter Konten. Informieren Sie Kontakte und Bank, und erstatten Sie Anzeige bei der Polizei.
Dieser Artikel ist Teil des vollständigen Leitfadens: Datenleck Leitfaden: Was tun bei Datenpanne und Identitätsdiebstahl
Sie kommen nicht mehr in Ihr Konto, oder Freunde melden seltsame Nachrichten von Ihnen? Dann gilt zuerst: Ruhe bewahren, aber zügig handeln. Dieser Beitrag fasst zusammen, was das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), die Verbraucherzentrale und die Polizeiliche Kriminalprävention (ProPK) empfehlen.
Woran Sie ein gehacktes Konto erkennen
Die Verbraucherzentrale nennt mehrere Hinweise darauf, dass ein Online-Konto Opfer eines Angriffs geworden sein könnte:
- Der Anbieter meldet per E-Mail, dass sich jemand mit einem anderen Gerät angemeldet hat, und Sie waren es nicht.
- Sie erhalten eine Mail über geänderte Zugangsdaten oder eine geänderte E-Mail-Adresse, die mit dem Konto verknüpft ist.
- Sie kommen gar nicht mehr in Ihren Account, oder Ihre Daten wurden geändert.
- Es gibt gelesene Nachrichten, die Sie nicht geöffnet haben, oder Nachrichten werden scheinbar von selbst an andere verschickt.
- Sie erhalten Bestellbestätigungen, Mahnungen oder Inkassoschreiben, die Sie nicht zuordnen können.
- Sie werden erpresst und sollen zahlen, um das Konto wiederzubekommen.
Das BSI ergänzt: Auch Dritte können Sie darauf hinweisen, dass Nachrichten von Ihrem E-Mail-Konto kamen, die nicht von Ihnen stammen. Zeigen sich ähnliche Anzeichen bei einem weiteren Konto, etwa bei einem Onlineshop, wurde dort das Passwort möglicherweise über die betroffene E-Mail-Adresse zurückgesetzt.
Warum das E-Mail-Konto zuerst kommt
Laut BSI ist ein gehacktes E-Mail-Konto besonders gefährlich, weil es zu den wichtigsten Bausteinen im digitalen Alltag gehört. Für Online-Shops, soziale Netzwerke oder digitale Behördenleistungen wird immer ein E-Mail-Konto benötigt. Kriminelle können damit glaubwürdig mit Ihren Kontakten schreiben, etwa um Familienmitglieder zu bitten, Rechnungen zu begleichen. Sie können außerdem die Passwörter weiterer Konten zurücksetzen und so die Kontrolle über mehrere Accounts gewinnen. Die ProPK-Checkliste zum gehackten Account hebt diese Rolle des E-Mail-Kontos ebenfalls hervor und spricht von einer Kettenreaktion für alle Online-Dienste.
Schritt 1: Informationen sammeln und Geräte prüfen
Das BSI rät, zuerst alle nötigen Informationen zu sammeln. Welche Ihrer Online-Konten sind betroffen oder könnten betroffen sein? Wo haben Sie die E-Mail-Adresse hinterlegt, zum Beispiel um Passwörter weiterer Accounts zurückzusetzen?
Die Verbraucherzentrale empfiehlt, vor einer Änderung der Zugangsdaten einen Virenscan durchzuführen, um zu prüfen, ob Schadsoftware auf Ihrem Gerät installiert ist. Für die weiteren Schritte sollten Sie auf ein anderes Gerät wechseln, damit neue Benutzernamen und Passwörter nicht abgefangen werden können. Das BSI weist darauf hin, dass seine Tipps für Zugriffe durch Fremde gelten, die nicht mit Schadprogrammen erfolgten. Findet ein Virenscanner Schadprogramme, müssen diese zuerst beseitigt werden, sonst behalten Kriminelle den Zugang.
Schritt 2: Wenn Sie noch Zugriff auf das Konto haben
Das BSI nennt für diesen Fall folgende Schritte:
- Ändern Sie schnellstmöglich Ihre Passwörter, jeweils unterschiedlich und stark. Gehen Sie in einem Zug vor, um die Zeit zu verkürzen, in der Unbefugte Ihnen zuvorkommen können.
- Beginnen Sie mit den Login-Daten des betroffenen E-Mail-Kontos. Dann können Unbefugte es nicht länger nutzen, um andere Passwörter zurückzusetzen.
- Beenden Sie alle aktiven Sitzungen. Meist geht das in den Einstellungen mit einem Klick. Danach muss auf jedem Gerät das neue Passwort eingegeben werden.
- Ändern Sie die Passwörter aller weiteren Konten, die dasselbe Passwort nutzen oder bei denen die betroffene E-Mail-Adresse zum Zurücksetzen hinterlegt ist. Vergeben Sie künftig für jeden Account ein eigenes Passwort.
- Kontrollieren Sie die Einstellungen. Kritisch sind automatische Weiterleitungen an fremde E-Mail-Adressen oder Änderungen an Rückfalloptionen wie einer hinterlegten Telefonnummer.
- Prüfen Sie Anwendungen, bei denen Sie sich per Single-Sign-On über das E-Mail-Konto anmelden. In den Einstellungen sehen Sie, ob neue hinzugefügt wurden.
Die Verbraucherzentrale ergänzt, dass Sie auch die Filterregeln im Postfach ansehen sollten. Der Betrüger könnte eingehende Mails weitergeleitet haben. Bei nahezu jedem Konto können Sie über „Passwort vergessen?“ ein neues Passwort anfordern, das an die hinterlegte E-Mail-Adresse geschickt wird.
Schritt 3: Wenn Sie nicht mehr hineinkommen
Haben Unbefugte Ihre Zugangsdaten geändert, sollten Sie laut BSI den Anbieter des betroffenen Kontos informieren und dessen Hinweisen folgen. Zusätzlich gilt:
- Ändern Sie die Passwörter anderer Konten, die dasselbe Passwort nutzen oder bei denen die betroffene E-Mail-Adresse hinterlegt ist.
- Nutzen Sie das gehackte E-Mail-Konto für Single-Sign-On, informieren Sie auch die Anbieter dieser Anwendungen und erstellen Sie wenn möglich eigene Anmeldedaten.
- Hinterlegen Sie, zumindest vorübergehend, eine neue E-Mail-Adresse bei Konten wie Profilen in sozialen Netzwerken.
Die Verbraucherzentrale erklärt, dass der fehlende Zugang sehr wahrscheinlich daran liegt, dass die Angreifer eine Zwei-Faktor-Authentisierung eingerichtet haben. Dann sollten Sie sich unbedingt an das Unternehmen wenden. Möglicherweise kann es Ihnen nach Prüfung Ihrer Identität wieder Zugang verschaffen. Falls das nicht möglich ist, ist Ihr Zugriff auf dieses Konto unwiederbringlich verloren.
Schritt 4: Kontakte, Zahlungen und Bank
Warnen Sie Familie, Freunde und Kollegen, dass Ihr E-Mail- oder Social-Media-Konto gehackt wurde. Damit schützen Sie sie vor Phishing-Mails oder Schock-SMS, mit denen Betrüger Geld fordern. Das BSI bittet Ihre Kontakte zudem, Sie auch künftig über Spam-Mails zu informieren, die von Ihrem Account kommen. Haben Bekannte auf einen Link in einer solchen E-Mail geklickt, sollten sie dieselben Schritte durchführen.
Bei Konten mit Bezahlfunktion empfiehlt die Verbraucherzentrale:
- Prüfen Sie die Bestell-Historie auf verdächtige Buchungen.
- Informieren Sie den Shop-Betreibenden, damit das Konto zeitweise gesperrt wird.
- Stornieren Sie Buchungen, soweit möglich.
Wurde ein Bankzugang oder ein mit Kreditkarte oder Zahlungsdienst verknüpftes Konto gehackt, melden Sie sich unbedingt bei Ihrer Bank oder Ihrem Finanzdienstleister. Im Zweifel können Sie Karten vorsichtshalber sperren lassen. Über die Rufnummer 116116 lassen sich nach Angaben der Verbraucherzentrale unter anderem Girocard, Kreditkarten, Online-Banking, Telefonbanking und SIM-Karten sperren. Die Nummer ist rund um die Uhr geschaltet.
Schritt 5: Anzeige erstatten
Die Verbraucherzentrale empfiehlt, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Das gehe online einfach und schnell, hilfreich sei aber der Besuch der nächsten Polizeidienststelle, um den Sachverhalt direkt vorzutragen und Beweise vorzulegen. Das BSI rät, Strafanzeigen bei der zuständigen Strafverfolgungsbehörde aufzugeben und umfängliche Informationen wie Screenshots mitzunehmen. Eine Anzeige kann auch aus versicherungsrechtlichen Gründen erforderlich sein.
Wenn Mahnungen per Brief eintreffen, etwa wegen Onlinekäufen der Täter, können Sie laut BSI in Betracht ziehen, einen Anwalt einzuschalten. Rechtliche Empfehlungen kann das BSI dazu nicht geben. Mahnungen per E-Mail sind oft gefälscht. Fragen Sie im Zweifel beim Absender nach, aber vertrauen Sie nicht blind den Kontaktdaten in der E-Mail.
Unterstützung und Versicherung
Die Verbraucherzentrale vergleicht ein gehacktes Konto mit einem Einbruch in die Wohnung: Sie seien Opfer einer Straftat geworden. Die Opferhilfe könne Gespräche oder psychosoziale Unterstützung anbieten. Der WEISSE RING e. V. betreibt bundesweit ein „Opfer-Telefon“ unter 116 006, täglich von 7 bis 22 Uhr besetzt. Haben Sie eine Cyberversicherung oder eine entsprechende Klausel in der Hausrat- oder Haftpflichtversicherung, kontaktieren Sie Ihre Versicherung.
Das BSI-Service-Center beantwortet Fragen rund um die IT-Sicherheit unter 0800 274 1000.
Auf Datenlecks prüfen und beobachten
Die Verbraucherzentrale rät zu prüfen, ob Ihre E-Mail-Adresse oder Passwörter im Internet veröffentlicht wurden. Sie nennt dafür den Leak-Checker der Universität Bonn, den des Hasso-Plattner-Instituts und das Angebot von Troy Hunt. Wird etwas gefunden, ändern Sie die Passwörter bei den betroffenen Diensten, und zwar umgehend, wenn Sie ein ähnliches Passwort auch anderswo nutzen.
Beobachten Sie danach Ihre Konten. Fällt Ihnen nichts Seltsames mehr auf, ist laut BSI davon auszugehen, dass der Fremdzugriff aufgehört hat. Ist ein Konto endgültig verloren, dokumentieren Sie den gesamten Vorgang und bewahren Sie ihn auf. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Ihre Daten möglicherweise für einen Identitätsmissbrauch verwendet werden, von dem Sie unter Umständen erst viel später erfahren.
Ergänzend: die kostenlose Analyse von Remove Me
Die kostenlose Analyse von Remove Me braucht kein Konto: Sie durchsucht öffentlich sichtbare Webergebnisse, bekannte öffentliche Datenlecks (über Have I Been Pwned) und ein Register von Datenhändlern und zeigt danach einen Bericht. Den Bericht schalten Sie mit einem 6-stelligen Code frei, der per E-Mail kommt. Ein leerer Bericht sagt nicht, dass keine Daten im Umlauf sind, denn die Analyse sieht nur, was öffentlich zugänglich ist. Remove Me versendet derzeit noch keine Löschanfragen in Ihrem Namen.
Das Remove-Me-Team
Häufige Fragen
- Woran erkenne ich, dass mein Konto gehackt wurde?
- Typische Anzeichen sind laut Verbraucherzentrale eine Meldung über eine Anmeldung mit einem fremden Gerät, geänderte Zugangsdaten oder Nachrichten, die Sie nicht geöffnet oder verschickt haben. Auch Bestellbestätigungen oder Mahnungen ohne passende Bestellung können darauf hindeuten.
- Was mache ich zuerst, wenn mein E-Mail-Konto betroffen ist?
- Laut BSI sollten Sie mit den Login-Daten des E-Mail-Kontos beginnen, damit Unbefugte es nicht mehr nutzen können, um Passwörter anderer Konten zurückzusetzen. Danach ändern Sie die Passwörter der übrigen Konten.
- Was tun, wenn ich nicht mehr in mein Konto komme?
- Wenden Sie sich an den Anbieter des Kontos und folgen Sie dessen Hinweisen. Möglicherweise richtet er Ihnen nach einer Identitätsprüfung den Zugang wieder ein. Gelingt das nicht, ist der Zugriff laut Verbraucherzentrale unwiederbringlich verloren.
- Sollte ich Anzeige erstatten?
- Ja, die Verbraucherzentrale empfiehlt die Anzeige bei der Polizei. Das BSI weist darauf hin, dass sie auch aus versicherungsrechtlichen Gründen erforderlich sein kann. Screenshots sollten Sie mitnehmen.
Quellen
Unsere redaktionelle Methode
Dieser Artikel wird vom Remove Me-Team auf Grundlage der oben genannten offiziellen Quellen verfasst. Wir aktualisieren ihn, wenn sich diese Quellen ändern. Er dient der Information und ist keine individuelle Rechtsberatung.
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